Justizvollzug − GRÜNE fordern stärkere Rolle der Resozialisierung in Sachsens Justizvollzug − Lockerungen nicht nur zu Weihnachten

Meier: Erweiterte Besuchsmöglichkeiten und die Möglichkeit gemeinsamer Aktivitäten mit den Familien müssen zur Normalität im sächsischen Justizvollzug werden

Dresden. „Der gesetzliche Auftrag der Resozialisierung der Inhaftierten muss in Sachsens Justizvollzug eine größere Rolle spielen“, fordert Katja Meier, rechtspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag.

„Lockerungen wie erweiterte Besuchsmöglichkeiten und die Möglichkeit gemeinsamer Aktivitäten mit den Familien müssen zur Normalität im sächsischen Justizvollzug werden und nicht nur über die Feiertag gelten. Denn dabei handelt es sich um pure Resozialisierungsmaßnahmen, die die Bindung zu Angehörigen sowie Freundinnen und Freunden stärken. Sie vertiefen das soziale Miteinander und tragen so zur Rückfallvermeidung bei.“

„Für solche Angebote braucht es aber genügend Personal in den Justizvollzugsanstalten und die Unterstützung der freien Straffälligenhilfe. Deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten mit den Gefangenen während und auch nach der Haft zusammen, etwa beim Täter-Opfer-Ausgleich oder im Rahmen der Nachsorge. Außerdem koordinieren sie den Einsatz der Ehrenamtlichen, die die Häftlinge im Vollzugsalltag begleiten.“

„Die freie Straffälligenhilfe muss flächendeckend in Sachsen Angebote machen können und braucht für ihr Engagement auch mehr finanzielle Unterstützung des Landes. Vor allem eine wirkungsvolle und wohnortnahe individuelle Nachsorge, wie zum Beispiel spezialisierte Nachsorge-Wohngruppen sind unerlässlich für eine gelingende Resozialisierung“, erläutert die Abgeordnete.

Meier fordert weitere Maßnahmen und Investitionen im Justizvollzug, die für eine gelingende Resozialisierung notwendig sind.
„Es braucht nicht nur eine Stärkung der freien Straffälligenhilfe, sondern auch den Ausbau alternativer Vollzugsformen, wie den Strafvollzug in freien Formen. Hier können außerhalb der Justizvollzugsanstalten in besonderen Unterbringungsformen in freier Trägerschaft und mit besonderem pädagogischem und therapeutischem Ansatz, vorhandene Defizite und für die Kriminalität ursächliche Faktoren intensiv bearbeitet werden.“

„Suchterkrankungen, die eine der Hauptursachen für Kriminalität bilden, können bereits während der Haftzeit in stationären Suchttherapiestationen, behandelt werden. Allerdings gibt es bisher für männliche Erwachsene lediglich eine solche Therapiestation in der JVA Zeithain. Für Jugendliche wurde im vergangenen Jahr eine Suchttherapiestation in Regis-Breitingen eröffnet. Ich fordere weitere Suchttherapiestationen in sächsischen Justizvollzugsanstalten, allen voran im Frauenvollzug der JVA Chemnitz. Um ein flächendeckendes Angebot sicherzustellen ist außerdem die Etablierung von mindestens zwei weiteren Suchttherapiestationen erforderlich.“

„Anstatt die Sonderrolle des strikten Vollstreckers zu spielen, wie es der Freistaat bei der Frage der bundesweiten Amnestien zu Weihnachten wieder mal unter Beweis stellt, sollte der Fokus endlich auf Resozialisierungsmaßnahmen liegen.“

Die GRÜNE-Fraktion hat im Dezember 2018 ein Eckpunktepapier zum Thema Resozialisierung vorgelegt.

>> GRÜNES Eckpunktepapier ‚Keine Sicherheit ohne Resozialisierung‘:

https://www.gruene-fraktion-sachsen.de/fileadmin/user_upload/eckpunktepapiere/EP_Resozialisierung-2018-12-1.pdf

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